Lieber Spiegel,
Deine Printausgabe kostet am Kiosk pro Heft 3,80 €, die iPad-Ausgabe liegt bei 3,99 €.
Verzeih mir bitte die Nachfrage, aber bei Deiner aus Bäumen hergestellten Ausgabe fallen meines Wissens Kosten an für die Redaktion, für das Papier, für den Druck und für die Brummis, mit denen die Zeitung quer durch die Republik zu den Verkaufsstellen gefahren wird. Und auch Zwischenhändler und Kiosk möchten noch etwas verdienen.
Zur Herstellung Deiner digitalen Ausgabe genügt ein Knopfdruck. Ja, Du musst weiterhin die Redaktion bezahlen und Du musst auch etwas mehr in die IT investieren. Die Kosten dürften sich hier trotzdem deutlich niedriger gestalten, als mit der traditionellen Ausgabe auf Papier. Und auch die Argumentation mit den von Apple vorgegebenen Preisen ist mir bekannt.
Trotzdem: soll ich tatsächlich glauben, dass das Wegfallen von vielen Tonnen Papier, die Streichung der Print-Logistik, und das Herausnehmen der Vertriebskette Dich am Ende auf dem iPad
teurer macht, als im Kiosk? Im Ernst?!
Aber Du bist kein Einzelfall. Wenn man sich in den USA das Wired-Magazin (erste Ausgabe: 4,99 US-Dollar) ein Jahr lang kaufen würde, wären das fast 60 Dollar, der Preis für ein 12-Monats-Abonnement liegt bei 10 Dollar. Und selbst das Wirtschaftsmagazin
brand eins, das in der Druckausgabe mit 7,60 € zu Buche schlägt, liegt preislich bei der iPad-Version mit 6,99 € pro Heft nur unwesentlich niedriger.
Da kann man sich leider nicht unbedingt des Eindrucks erwehren, dass sich hier der eine oder andere gesund stoßen möchte. Aber man kann ja mal probieren, wieviel der Leser bereit ist zu bezahlen, oder?
Nur eine Bitte: den Bogen solltest Du nicht all zu sehr überspannen, sonst wandern die Leser gleich ganz zu anderen Quellen ab. Denn wer einmal den Preis der Online-Ausgabe gesehen hat, löscht womöglich den Spiegel gleich ganz vom iPad. Und das nächste Magazin ist nur eine Fingerspitze entfernt.
Liebe Grüße,
Dein zwar-immer-noch-aber-immer-weniger-Leser Chris
Christoph Marquardt