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Chris Marquardt, 17. June 2026, 13:00

Audioschmerzen

Blick ins Nähkästchen der Podcast-Produktion: Wie wir aufnehmen, hat sich über die Jahre fast völlig gewandelt. Nicht durch einen großen Sprung, sondern durch viele kleine, jeder mit einem neuen Schmerzpunkt im Schlepptau.

Am Anfang gab es Double-Ender. Alle reden über eine Verbindung, die meistens schlecht klingt, aber jede Person nimmt gleichzeitig lokal auf der eigenen Seite auf. Danach lädt jeder seine Spur an eine zentrale Stelle hoch, und irgendjemand setzt das von Hand zusammen. Viel Handarbeit, aber guter Sound. Der Haken: Beim Reden selbst hat man Latenz, eine halbe Sekunde Verzögerung stört den Gesprächsfluss.

Dann kam Opus, ein Audio-Codec, der bei guter Qualität deutlich weniger Latenz brauchte. Mumble war das erste System, mit dem sich Gespräche tatsächlich flüssig anfühlten. Irgendwann war die Qualität bei brauchbarer Latenz gut genug, dass die Double-Ender-Zeit vorbei war. Aufnahme auf einer Seite, fertig.

Mit der Pandemie kam Video dazu, und das alte Problem in neuem Gewand: Gutes Video plus latenzarmes Audio war zuerst schwierig, es hat gedauert, bis Systeme und Leitungen das zusammen konnten.

Heute nehmen wir über Restream auf, Video mit niedriger Latenz, gute Audioqualität dank Opus. Darunter arbeitet WebRTC, ein Standard für Echtzeit-Audio und -Video direkt im Browser, ohne Plugins. Klingt nach der Lösung aller Probleme. Ist sie auch, fast. WebRTC verlangt, dass auf einem Rechner mehrere Encoder gleichzeitig laufen, und wenn die CPU das nicht mehr stemmt, sieht während der Aufnahme alles gut aus, während das, was der Server tatsächlich aufzeichnet, Probleme hat. Genau das ist uns bei der aktuellen Episode von The Future of Photography passiert. Zwischendurch fällt Adrians Audiospur aus, und ich habe es vor dem Veröffentlichen nicht gemerkt. Hatten wir bisher noch nicht. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass das ein WebRTC-Problem war.

Flickwerk-Reparatur einer kaputten Audiospur

Zum Glück gibt es noch eine separate Audiospur als Backup, also etwas Handarbeit, flicken, neu veröffentlichen (seufz). Aber genau so läuft das mit Technik, die einen Schmerzpunkt löst: Sie bringt gerne mal einen neuen mit.