Abenteuer Fotografie
Wir müssen über das Buch reden. Ja, über DAS Buch.
Der Preis
Das Projekt begann im November 2023, bei der Preisverleihung für den Deutschen Fotobuchpreis in Regensburg. Moni und ich hatten einen der Preise für Absolut analog bekommen, und wir waren so stolz darauf, dass ich unbedingt zur Preisverleihung fahren musste.

Unser Lektor war auch da, und ich hatte eine Idee für ein neues Buch im Gepäck: Was wäre, wenn ich den Leser:innen zeige, dass Fotografie nicht nur aus Regeln besteht, sondern auch eine wilde, ungezähmte Seite hat. Dort, wo der Regelbruch stattfindet, wo wir experimentieren und nicht den vermeintlich „richtigen“ Pfaden folgen. Eine Gegenüberstellung dieser beiden Seiten in verschiedenen Bereichen der Fotografie. Der Lektor war angetan, der Verlag war an Bord. Ich war überglücklich, ein neues Buchprojekt zu haben.
Tame & Wild
Intern lief das Projekt bei mir unter „Tame & Wild“, zahm und wild. Die Gliederung war fertig, Teile des Manuskripts waren geschrieben, sogar ein paar Grafiken hatte ich schon in der Schublade. Zum Beispiel das Engelchen für die zahme und das Teufelchen für die wilde Seite. Auch der Buchtitel stand bald fest: „Abenteuer Fotografie“. Wie sehr der weitere Entstehungsweg dieses Buchs selbst zum Abenteuer werden sollte, war mir da noch nicht klar.

Selbst die Happy-Shooting-Community war mit an Bord. Eine zentrale Idee war, die Themen mit Bildern aus der Community zu illustrieren, regelkonform und regelbrechend. Ich bin immer noch sprachlos, wie sagenhaft die Community mitgezogen hat. So viele tolle Bilder! Ich weiß noch nicht genau, was mit all diesen Bildern geschehen soll, aber ich denke, sie sollen irgendwo sichtbar werden. Ideen nehme ich gerne entgegen.
Dann zogen langsam die ersten Gewitterwolken auf. Mein Vater wurde sehr krank, und ich verbrachte viel Zeit mit Hin- und Herfahren. Das hat mich mehr belastet als ich erwartet hatte, und es hat auch eine Menge meiner Aufmerksamkeit vom Buchprojekt abgezogen. Das Projekt geriet für Monate ins Stocken, und die nahende Deadline hat meinem Kopf auch nicht geholfen. Im Gegenteil: Ich hatte Angst, der Verlag würde sich zurückziehen, wenn ich nicht abliefere.
Achterbahn
Was dann folgte, darf man wohl als Achterbahnfahrt bezeichnen.
Da war zunächst dpunkt, der beste Verlag der Welt, und dort ganz besonders Boris, mein Lektor. Sie haben nicht nur am Buch festgehalten, sie haben gesehen, dass ich Zeit brauche, und haben ohne mit der Wimper zu zucken das Projekt um ein Jahr verschoben. Dieses Vertrauen, dass mein Mojo zurückkommt, hat mich damals wie heute tief berührt. Denn zu dem Zeitpunkt hatte ich selbst nicht so richtig Vertrauen in mich.
Dann kam die Nachricht, die man als Autor nicht hören will: Ein anderer Verlag hatte ein Buch veröffentlicht, das sich mit meinem so überschnitt, dass ich meine Idee und mein Manuskript wegwerfen konnte. Futsch, aus. Das war gleichzeitig Tiefschlag und Erleichterung. Wenigstens war ich nicht selbst schuld, wenn aus dem Projekt nichts wird.
Es dauerte eine Weile, bis sich aus der Krise langsam eine Chance herausschälte. In dieser Zeit habe ich viel hinterfragt, auch was im Leben und in der Fotografie eigentlich wichtig ist. Das hat sich ganz langsam nicht nur in mein Denken eingeschlichen, sondern auch in meine Fotoworkshops.
Neue Wege
Im März 2025 fand dann die erste Sehwerkstatt statt, ein neues Workshopkonzept mit neuen Ideen darüber, was in der Fotografie wichtig ist: gute Fotografie als Resultat von Aufmerksamkeit, Hinschauen, Bemerken. Das waren die ersten Gedanken, und ich bin der ersten Workshopgruppe sehr dankbar, dass sie diese Veranstaltung mit neuem Konzept als Versuchskaninchen mitgetragen hat. Ohne dass ihr es wusstet, war das der eigentliche Grundstein für das neue Buchprojekt, und für eine neue Richtung in einigen der Workshops. Die Konzepte aus der Sehwerkstatt wurden immer feiner ausgearbeitet, neue Aspekte kamen hinzu, und am Ende stand ein neues Buchprojekt. Der Phoenix aus der Asche.
Daneben habe ich diese neuen Ideen in verschiedenen Workshops ausgearbeitet und verfeinert. Klostergeister 2025 und 2026 zeigten eine klare Evolution dieser Gedanken.
Der Buchtitel „Abenteuer Fotografie“ ist geblieben. Das Buch dahinter nimmt uns jetzt aber auf eine fotografische Reise mit, bei der wir anders sehen lernen. Durch einfache, manchmal ungewohnte Übungen, die uns auch gerne mal aus dem Komfortbereich schieben, kommen wir unseren eigenen Impulsen, unserer Aufmerksamkeit und unserer fotografischen Handschrift näher. Die Kamera ist dabei nicht das Ziel, sondern das Werkzeug, mit dem wir unsere ganz eigene Welt sichtbarer machen.
Mein Vater hat seine Krankheit nicht überlebt. Mit 86 Jahren hatte er ein langes und gutes Leben. Der Abschied von ihm war schwer, und doch war sein Tod auf gewisse Weise auch die leise Erleichterung, dass er nicht mehr leiden musste und dass ein schweres Kapitel seinen Abschluss gefunden hatte.
Ein wenig dieser Zeit der Veränderung und des Umbruchs finden sich auch im Buch wieder. Ich bin als Mensch daran gewachsen und habe viele Dinge auf den Prüfstand gestellt und neu bewertet.
„Abenteuer Fotografie“ ist mit Abstand mein persönlichstes Buch, mit vielem, was mir wichtig ist. Es erscheint im Herbst 2026.