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Chris Marquardt, 18. June 2026, 19:00

Midjourney Medical

Heute hatte ich beim Lesen der Ankündigung von Midjourney Medical einen kleinen Holy-shit-Moment. Sie wollen eine neue Art MRT-Scanner bauen, der für wenig Geld in 60 Sekunden einen detaillierten Körperscan erzeugt. Wir reden davon, mit sehr hoher Auflösung in den Körper zu schauen.

Die Sache klingt so verrückt, dass ich es niemandem verübeln würde, sie als Spinnerei abzutun. Midjourney, das sind doch die, die per KI Bilder generieren. Was wollen die im medizinischen Bereich? Und wie soll das bitte gehen?

Trotzdem: ich finde die Ankündigung sehr spannend. Und teils erstaunlich plausibel. Zumindest bei der ersten Betrachtung.

Midjourney Medical

Ein genauerer Blick ist trotzdem angebracht.

Das MRT ist, grob gesagt, eine seltene und teure Maschine, die Körperteile mit Magnetfeldern bewirft und aus den entstehenden Signalen ein dreidimensionales Bild erstellt. Ein MRT-Ganzkörperscan schlägt für Selbstzahler mit mindestens 1000 € zu Buche. Die Untersuchung dauert lange, eine halbe Stunde ist keine Seltenheit, die Maschine ist laut und nichts für klaustrophobische Menschen. Dafür lassen sich mit dem MRT Tumoren finden und genau lokalisieren, Entzündungen und Gefäße sichtbar machen, Gehirn, Wirbelsäule und Organe betrachten. Und das MRT kommt ohne schädliche Strahlung aus.

Midjourney Medical schlägt jetzt einen ganz anderen Ansatz vor: Ultraschall in Kombination mit KI. Der Körper soll während 60 Sekunden langsam in ein warmes Wasserbecken eintauchen, umgeben von einem Ring aus Ultraschall-Aktuatoren. Die schicken tausende Mal pro Sekunde aus unterschiedlichen Richtungen Schallwellen in hoher Auflösung durch den Körper und nehmen sie auch wieder auf. Aus diesen Daten soll die KI das 3D-Bild des Körperinneren rekonstruieren. Die Erfahrung soll eher einer Spa-Anwendung gleichen als einer lauten Maschinenröhre.

Was mich daran reizt:

Die Physik dahinter ist völlig plausibel. Ultraschall-Tomographie ist bereits ein Ding, die Wasserbad-Methode gibt es schon. Aus den diffusen Schallwolken muss nur noch Bildmaterial generiert werden. Und genau dort liegt Midjourneys Stärke: Bilder aus diffusen Daten rekonstruieren. Das ist im Grunde, was Diffusion-basierte KI-Bildgeneratoren ohnehin tun. Und damit mitten in Midjourneys sweet spot.

Auch die Rekonstruktion von Bilddaten aus Ultraschall-Echos mittels KI ist plausibel. Dazu gibt es bereits Forschung, sogar Demonstrationen der Technik.

Details, wie sie das MRT heute liefert, werden aber sicher noch etwas länger dauern. Midjourney Medical spricht zunächst auch nur von „body composition“-Scans: Fettverteilung, Muskelvolumen, Asymmetrien, grobe Organgrenzen, vielleicht größere Verletzungen.

Als Wellness- bzw. Körperzusammensetzungsprodukt ist das zumindest in der ersten Version plausibel. Ein vollständiger diagnostischer Ersatz für MRT und CT wird sicher noch dauern.

Trotzdem: Bei entsprechend niedrigen Kosten wäre das eine stressfreie Methode, sich regelmäßig scannen zu lassen. Einmal im Jahr, vielleicht sogar einmal im Monat, um Trends zu erkennen, ganz ohne ionisierende Strahlung. Und zumindest, um Anhaltspunkte für weitere, aufwändigere Untersuchungen zu liefern.

Ultraschall hat aber auch seine Probleme. Abschattungen durch Knochen sind eines davon, und mit Luft (Lungen) kann Ultraschall gar nichts anfangen. Die Behauptung, bis auf einen Bruchteil eines Millimeters scannen zu können, klingt aktuell noch wie reine Zukunftsmusik. Auch die im Artikel genannten Zeiträume wirken utopisch: Bis 2031 wollen sie 50.000 Scanner und eine Milliarde Scans pro Monat erreichen. Bei den Zeiträumen, in denen medizinische Entwicklungen getestet und zugelassen werden, habe ich da starke Zweifel.

Mein Fazit

Plausibel: Midjourney baut eine hochauflösende Ultraschall-Tomographie-Plattform, die sich hervorragend für schnelle Körperzusammensetzung und das Tracking von Veränderungen über Zeit eignen kann.

Eventuell: ein billiger, häufiger, strahlungsfreier Scan, der deutliche Veränderungen frühzeitig erkennt und Menschen gezielt zu weiterer medizinischer Diagnostik schickt.

Eher unwahrscheinlich: ein spa-ähnlicher 60-Sekunden-Scan, der MRT/CT ersetzt oder bis 2031 eine große Zahl von Todesfällen und hohe Gesundheitskosten verhindert.

Technisch interessant, nicht offensichtlich Unsinn, aber vorsicht, die Ankündigung ist maximal utopisch geschrieben. Die Antwort auf die Frage „Kann das Ding Bilder machen?“ ist vermutlich „ja“. Die eigentliche Frage ist eine andere: Werden die Bilder klinisch verwertbar, reproduzierbar, interpretierbar, reguliert und nützlich genug sein, um die Zahl sinnvoller Diagnosen zu erhöhen, ohne werden hier eine Menge False Positives erzeugt? Schauen wir mal.