Bevor das Bild entsteht #06 - Langeweile ist ein Rohstoff
Wann hast Du Dich das letzte Mal richtig gelangweilt, ohne sofort zum Handy zu greifen?
Wahrscheinlich ist das eine Weile her. Sobald eine Lücke entsteht, an der Ampel, in der Warteschlange, im Wartezimmer, dann füllen wir die auch. Es ist ein Reflex, wir tun das ohne nachzudenken. Das Handy ist schneller in der Hand, als uns langweilig werden kann.
Dabei geht etwas verloren, das die Fotografie dringend braucht.
Langeweile fühlt sich an wie ein Loch, das wir stopfen müssen. Dabei ist sie in Wirklichkeit ein Zustand, in dem die Gedanken zu wandern anfangen. Wenn nichts von außen kommt, geht innen etwas los. Da tauchen Gedanken auf, es entstehen Verbindungen und Einfälle, die beim Scrollen ansonsten keine Chance hätten. Kennst Du das Gefühl unter der Dusche, oder auf einer langen Autobahnfahrt ohne Radio, wenn Dir plötzlich die besten Ideen kommen? Genau das.

Für die Fotografie heißt das: Dieser besondere Moment, in dem Du das Bild findest (oder das Bild Dich), kommt selten sofort. Er kommt erst nach den zehn Minuten, in denen scheinbar nichts war. Nach dem Warten. Nach der Langeweile, die Du sonst immer wegscrollst.
Wenn wir immer beschäftigt sind, sehen wir nichts Neues. Wir müssen diese Leere erst mal aushalten lernen, damit im Kopf der Platz frei wird für das, was da wirklich hingehört.
Die Übung diese Woche: Wenn Dir das nächste mal langweilig wird, lass das Handy mal bewusst in der Tasche. Steh einfach mal da und schaue, bemerke was passiert, wenn nichts passiert.
Nächste Woche geht es darum, warum Dich weniger oft besser macht als mehr.
Die Serie "Bevor das Bild entsteht" gehört zu meinem Buch Abenteuer Fotografie. Auf chrismarquardt.com/abenteuerfotografie kannst du bis einschl. 5.11.2026 ein vom Autor handsigniertes Exemplar vorbestellen
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